Wie häufig gibt es MRSA in Deutschland?

Antwort

MRSA ist durchschnittlich für jede vierte schwere Staphylococcus aureus Infektion verantwortlich.

Anmerkungen

Die Zahlen für Deutschland beruhen lediglich auf einzelnen Untersuchungen, da der Nachweis von MRSA in Deutschland nicht meldepflichtig ist. Im Durchschnitt ist in deutschen Krankenhäusern, MRSA für jede vierte schwere Staphylococcus aureus Infektion verantwortlich. Auch in Deutschland hat der Anteil von MRSA in den letzten 10 Jahren stark zugenommen. Mit regionalen Schwankungen lag der Anteil von MRSA im Landesdurchschnitt nach einer Studie der Paul-Ehrlich-Gesellschaft 2001 bei 20,7 %.

Nach Daten des European Antimicrobial Surveillance System (EARSS) ist Deutschland zwischen 1999-2002 gleichzeitig das Land mit der größten Zunahme von MRSA in Europa. Überdurchschnittlich häufig findet sich MRSA bei Patienten nach längeren bzw. wiederholten Krankenhausaufenthalten, nach Verlegung von Intensivstationen, medizinischen Behandlungen im Ausland (vor allem Südeuropa, USA, Japan), nach Antibiotikatherapie, bei chronischen Wunden bzw. chronischen Krankheiten (z. B. Hämodialysepatienten). Am Universitätsklinikum Regensburg erreicht die MRSA-Rate unter Risikopatienten bei Aufnahme auf Intensivstationen 25 %. Mehr als die Hälfte der während des Krankenhausaufenthalts festgestellten MRSA-Isolate sind bereits bei Aufnahme nachweisbar.

In Altenheimen können 2-4 % der Bewohner kolonisiert oder infiziert sein, vereinzelt wird über wesentlich höhere Zahlen berichtet. In welchem Maße sich MRSA, ausgehend von stationären medizinischen Einrichtungen über Patienten oder Personal auch in der allgemeinen Bevölkerung verbreitet, ist derzeit für Deutschland nicht ausreichend untersucht. Die im Rahmen der Einführung von DRGs („Fallpauschalen“) erwartete Verschiebung von Leistungen aus dem stationären in den ambulanten Sektor stellt in Zukunft beim Umgang mit nosokomialen Problemkeimen („Krankenhaus-Problemkeimen“) neue und erhöhte Anforderungen an ambulante Einrichtungen.

Zahlen aus den Niederlanden und den skandinavischen Ländern (MRSA weniger als 1 %) zeigen, dass eine Zunahme von MRSA in Krankenhäusern nicht unumkehrbar ist. Ob eine Umkehrung in Deutschland durch eine koordinierte Strategie (Stichworte: Diagnostik, Antibiotikaverbrauch, Standardhygiene, MRSA-spezifische Hygienemaßnahmen; s. u.) ebenfalls gelingt, wird sich vermutlich in den nächsten Jahren entscheiden. Die Frage, ob sich MRSA weiterverbreiten oder nicht, ist von großer medizinischer Bedeutung. Das historische Beispiel der Ausbreitung der Penicillin-resistenten S. aureus vor 30-40 Jahren zeigt, dass den Keimen bei einer Zunahme in medizinischen Einrichtungen zunehmend der Sprung „hinaus” in die Gesellschaft gelingt, und eine solche Entwicklung dann nicht umkehrbar ist.

Quellen

Zum Beispiel

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pic-eg-ant-65-1-prävalenz